Philosophische Perspektiven zur Digitalisierung und eine Einführung in die Partizipation

Publikationsdatum: 19.06.23 10:20    Letzte Aktualisierung: 19.06.23 10:20

Philosophische Perspektiven zur Digitalisierung und eine Einführung in die Partizipation

Editorial zum OpenTA-Neuerscheinungsdienst (NED) „ÜberdenTAellerrrand“ Mai 2023

Ein Beitrag von Tanja Sinozic-Martinez

Perspektiven von Ethiker*innen, Philosoph*innen und Theolog*innen zur Digitalisierung

Beim ersten Buch handelt es sich um einen Sammelband: „Digitalisierung als Transformation: Perspektiven aus Ethik, Philosophie und Theologie“, der von Tobias Holischka, Klaus Viertbauer und Christian Henkel herausgegeben wurde. Das Buch (online frei verfügbar) gliedert sich in drei Abschnitte, die sich mit philosophisch-phänomenologischen Aspekten, normativen Aspekten und den praktischen und theologischen Folgen von Digitalisierung befassen.

Teil 1 - Philosophisch-phänomenologische Aspekte - bietet fünf Kapitel am Beispiel der neuen Medien (Jörg Noller), der technischen Integration (Tobias Holischka), der digitalen Geisteswissenschaften (Sybille Krämer) und des Mind-Uploading (Georg Gasser). Jörg Noller stellt in seinem Kapitel die These auf, dass die Digitalisierung eine Form der virtuellen Realität ist. Dies wird durch eine systematische Analyse der verschiedenen Modalitäten der Virtualität wie Möglichkeit und Wirklichkeit, Medialität, Simulation, Fiktion und Illusion untersucht. Walter Schwiedler beschreibt im umfassenden Sinn das Verhältnis von Wissenschaft und Technik, und zieht ein Vergleich mit diesen Unterschieden und denen zwischen Recht und Politik. 

Im zweiten Abschnitt - Normative Aspekte – geht es um Digitalisierung und Demokratie (Christina Aus der Au), selbstfahrende Autos (Lukas Ohly), die Grenzen der menschlichen Natur (Klaus Viertbauer) und Mind Doping (Reinhard Merkel). Besonders das Kapitel von Lukas Ohly in Form einer Kritik über die Dilemma-Szenarien von selbstfahrenden Autos (wen sollen sie im Notfall „töten“?) erscheint interessant. Einerseits können solche Dilemma-Konstellationen aufgegriffen werden, um Argumentationslinien ethisch zu reflektieren. Andererseits können sie genutzt werden, um Entscheidungen bei technischen Problemstellungen zu fällen. Der letztere Anwendungsfall ist problematisch, so der Autor, weil er dazu führen kann, dass Regeln auf der Grundlage einzelner Cases aufgestellt werden.

Der dritte Teil des Buches - Praktische und theologische Folgen von Digitalisierung - enthält vier für ein TA-Publikum besonders interessante Kapitel, die sich mit der digitalen Bibel (Stefan Scholz), Soteriologie und Digitalität (Rebekka A. Klein), digitales Sehen in der Medizin (Alexis Fritz und Lorina Burh) und Heimcomputer als Ideengeber für Pastoral und Schule (Christian Preidel) beschäftigen. In seinem Kapitel behandelt Stefan Scholz die Auswirkungen vom Online-Communities zur kollektiven Interpretation der Bibel, das durch das Crowdsourcing-Projekt "LOLCat Bible" und "TwitterBibel" ermöglicht wurde. Das Kapitel von Alexis Fritz und Lorina Buhr konzentriert sich auf die Veränderungen des Sehens in der medizinischen Praxis, die durch die digitalisierte Medizin hervorgerufen wurden, und beschreiben die ethischen Herausforderungen der digitalen Bildgebung in diesen Kontext.

Wie wichtig ist politische Partizipation für Demokratien?

Oscar W. Gabriel, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart, gibt in seinem Buch “Politische Partizipation; eine Einführung in Theorie und Empirie” Antworten auf eine der Kernfragen der Partizipation, die auf einer langen Karriere von politikwissenschaftlichen Vorlesungen basieren:

  „Wer beteiligt sich in welcher Form, aus welchen Gründen und mit welchen Folgen an Aktivitäten, die der Einflussnahme auf politische Entscheidungen dienen?“

In neun Kapiteln legt der Autor die Grundlagen für ein Verständnis der Beziehung zwischen Partizipation und Demokratie (Open Access) dar. Die Ausführungen sind nicht nur für Studierende und Wissenschaftler*innen der Politikwissenschaft interessant, sondern auch für die TA-Community. Das erste Kapitel definiert, was unter Partizipation und Demokratie zu verstehen ist und beschreibt die Ziele des Buches. In Kapitel 2 wird auf die Hauptmerkmale von Partizipation eingegangen und erläutert, wie Partizipation gemessen werden kann. Darauf folgt eine ausführlichere Darstellung der empirischen Daten, die in der Partizipationsforschung verwendet werden (Kapitel 3), und der Formen der politischen Partizipation (Kapitel 4). Die nächsten beiden Kapitel befassen sich mit der politischen Partizipation in Deutschland, beginnend mit den wichtigsten Veränderungen in der jüngeren Geschichte (Kapitel 5) bis hin zu den verschiedenen Partizipationssystemen, die es heute gibt (Kapitel 6). Kapitel 7 gibt einen Überblick über die wichtigsten empirischen Theorien zur Partizipation, beschreibt ihre Unterschiede und gibt einen Überblick über neue soziologische Ansätze. In den Kapiteln 8 und 9 wird der Fokus wieder auf den deutschen Fall gelenkt, indem die Faktoren beschrieben werden, die das individuelle politische Engagement in Deutschland bestimmen, und abschließend werden die Zusammenhänge zwischen Partizipation und der Qualität der Demokratie diskutiert.

Für die Maiausgabe des NED wurden aus 244 automatisch selektierten Buchtiteln aus dem Datenbestand der Deutschen Nationalbibliothek insgesamt 8 Buchttitel ausgewählt. Die Publikationen sind im Folgenden aufgeführt:

Denzel, Markus A.; Schötz, Susanne; Töpel, Veronique (Hrsg.) (2022): Von der Industriemetropole zur resilienten Stadt; Leipzig im regionalen und überregionalen Vergleich, Wiesbaden, Germany: Springer Gabler.

Duckwitz, Nicole (2022) Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Ethik-Kommissionen; ein deutschlandweiter Vergleich, Jena: 2022.

Gabriel, Oscar W. (2022) Politische Partizipation; eine Einführung in Theorie und Empirie,     Wiesbaden, Germany: Springer VS 2022.

Holischka, Tobias; Viertbauer, Klaus; Henkel, Christian (Hrsg.) (2022) Digitalisierung als Transformation?; Perspektiven aus Ethik, Philosophie und Theologie,     Berlin, Germany: J.B. Metzler 2022.

Holzmann, Robert (2022) Wirtschaftsethik, Wiesbaden: Springer Gabler 2022.

Lux, Gerald; Matusiewicz, David (Hrsg.) (2022) Pflegemanagement und Innovation in der Pflege; wie sich Mensch und Maschine sinnvoll ergänzen, Wiesbaden, Germany: Springer Gabler.

Pietsch, Detlef (2022) Unsere Wirtschaft ethisch überdenken; eine Aufforderung, Wiesbaden, Germany: Springer 2022.

Schüll, Elmar; Berner, Heiko; Kolbinger, Martin Lu; Pausch, Markus (Hrsg.) (2022):

Soziale Innovation im Kontext; Beiträge zur Konturierung eines unscharfen Konzepts, Wiesbaden, Germany: Springer VS.

 

 

 

 

geschrieben von Tanja Sinozic-Martinez | 6000 Aufrufe, 0 Kommentare digitalisierung ned transformation partizipation demokratie
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